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Psychologie Aktuell
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Schizoaffektive Störung

Bei der schizoaffektiven Störung findet man neben den schizophrenen Symptomen wie Wahn oder Halluzinationen eine starke affektive Symptomatik. Dies unterscheidet den Patienten mit einer schizoaffektiven Störung von dem Patienten bei dem eine Schizophrenie diagnostiziert wurde. Die affektive Symptomatik besteht entweder aus einer Depression oder einer Manie und kommt gleichzeitig bzw. folgt der schizophrenen Symptomatik innerhalb einer Krankheitsepisode. Die schizoaffektive Störung wird zu den sogenannten Psychosen des schizoaffektiven Zwischenbereichs gezählt, dem auch die zykloide Psychose oder die atypische Psychose zugeordnet werden.

 

Die schizoaffektive Störung in den Klassifikationssystemen

Im ICD-10 kann die schizoaffektive Störung entweder als F25.0, F25.1 oder 25.2 kodiert werden.
Die Diagnose F25.0 lautet “schizoaffektive Störung, gegenwärtig manisch.
F25.1 “schizoaffektive Störung, gegenwärtig depressiv”
F25.2 “gemischte schizoaffektive Störung”

 

Die Diagnose “schizoaffektive Störung, gegenwärtig manisch” (F25.0) wird dann vergeben, wenn neben typischen schizophrenen Symptomen auch eine manische Symptomatik diagnostiziert werden kann. Bei der “schizoaffektiven Störung, gegenwärtig depressiv” (F25.1) treten während der selben Krankheitsepisode schizophrene und depressive Symptome auf. Diese Störung darf nur diagnostiziert werden, wenn die depressive Symptomatik schwer genug ist (in Anzahl der Einzelsymptome und deren Schweregrad) und im Rahmen derselben Krankheitsepisode gleichzeitig schizophrene Symptome auftreten.

 

Im DSM-IV wird die schizoaffektive Störung mit 295.70 kodiert, wenn während der Krankheitsepisode das Kriterium A für Schizophrenie erfüllt ist, für den Zeitraum von mindestes 2 Wochen Wahn oder Halluzinationen vorlagen und eine ausgeprägte affektive Symptomatik gleichzeitig diagnostiziert werden konnte. Bezüglich der Gleichzeitigkeit des Auftretens affektiver Symptome mit einer floriden psychotischen Symptomatik unterscheidet sich die Diagnosestellung vom DSM-IV gegenüber dem ICD-10.

Für die Diagnosestellung wird eine Dauer der Krankheitsepisode von mindestens 4 Wochen verlangt. Im DSM-IV lassen sich zwei Subtypen diagnostizieren: den Bipolaren Typus und den Depressiven Typus. Die “schizoaffektive Störung, gegenwärtig manisch” (F25.1) des ICD-10 wird im DSM dem Subtyp des bipolaren Typus zugeordnet.

 

Verwandte Begriffe

Aufgrund der beiden vorhandenen Klassifikationssysteme und der traditionellen psychiatrischen Begriffe werden die einzelnen Bezeichnungen noch einmal inhaltlich in Beziehung gesetzt.

schizoaffektive Störung, gegenwärtig manisch = schizomanische Störung

schizoaffektive Störung, gegenwärtig depressiv = schizodepressive Störung = schizoaffektive Störung

 

Beschreibung der schizoaffektiven Störung

Patienten mit einer schizoaffektiven Störung weisen schizophrene Symptome wie Gedankenausbreitung oder Verfolgungswahn auf und zeigen gleichzeitig eine depressive Symptomatik mit beispielsweise Schuldgefühlen und Gefühlen der Hoffnungslosigkeit. Eine schizoaffektive Störung kann beginnen, in dem sich eine ausschließlich schizophrene Symptomatik zeigt und nach einem gewissen Zeitraum eine depressive Symptomatik hinzukommt. Nachdem die depressive Symptomatik sich wieder zurückbildet findet man noch weiterhin die schizophrene Symptomatik. Sehr häufig zeigt sich kein schizophrenes Residuum.

 

Häufigkeit und Diagnostik

Gegenwärtig geht man davon aus, dass ca. 15 bis 20 Prozent der Psychosen, die früher unter einem weiter gefassten Schizophreniebegriff fielen, die Diagnosekriterien der schizoaffektiven Störung erfüllen (Marneros et al. 1991). Bei Frauen wird die Diagnose insgesamt häufiger gestellt.

Möller, Laux und Kapfhammer (2003) weisen bezüglich der Diagnostik darauf hin, dass eine gewisse depressive Begleitsymptomatik nicht ausreiche, um eine schizoaffektive Störung zu diagnostizieren, sondern die Kriterien einer affektiven Psychose bezüglich ihres Schweregrades erfüllt sein muss. Insgesamt treffe man im Rahmen einer schizophrenen Erkrankung recht häufig auch eine depressive Begleitsymptomatik an, sodass der Diagnostiker hier besonders sorgfältig vorgehen muss.

 

Therapie

Therapeutische Interventionen beinhalten in der Regel eine medikamentöse Behandlung mit Neuroleptika und /oder Lithium und findet während der akuten Phase häufig stationär in psychiatrischen Fachkrankenhäusern statt. Bei sehr stark erregten Patienten mit manischer Symptomatik werden häufig auch niedrigpotente Neuroleptika eingesetzt, da es hier zum gewünschten Effekt der Sedierung kommt.

Lithium weist eine antimanische Wirkung auf, benötigt jedoch einen Zeitraum von über einer Woche, bis seine Wirkung eintritt. Wird ein Kombinationstherapie von Lithium und Neuroleptika durchgeführt, wird nach Wirkungseintritts des Lithiums das Neuroleptika reduziert.

Als Standardbehandlung bei schizomanischen Standardverläufen wird Neuroleptika verabreicht. Bandelow & Rüthe und Möller, Laux und Kapfhammer sprechen bei der Monotherapie von Neuroleptika als Mittel der Wahl. Auch bei der schizoaffektiven Störung mit depressiver Symptomatik wird Neuroleptika als Monotherapie eingesetzt. Eine Kombinationsbehandlung mit Antidepressiva kann im Einzelfall jedoch sinnvoll sein.

 

Quellen:

ICD-10
DSM-IV
Marneros, A., Diester, A. Rohde, A. (1991). Affektive, schizoaffektive und Schizophrene Psychosen. Eine vergleichende Langzeitstudie. Berlin: Springer Verlag.
Bandelow, B., Rüther, E. (1989).  Neuroleptika in der Behandlung schizoaffektiver Psychosen. In: Marneros, A. (Hrsg). Schizoaffektive Psychosen; Diagnose, Therapie und Prophylaxe. Berlin: Springer Verlag; S. 149-S. 158. Möller, HJ., Laux, G., Kapfhammer, HP. (Hrsg.)(2003). Psychiatrie und Psychotherapie. 2. Auflage. Berlin: Springer Verlag
 Huber, Gerd (2005). Psychiatrie. Lehrbuch für Studium und Weiterbildung. Stuttgart: Schattauer Verlag.

 

  

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