Problemlösetraining

1. Allgemeines zum Problemlösetraining

Die Steigerung der Problemlösefähigkeit des Patienten stellt ein wichtiges Ziel in der Behandlung zahlreicher psychischer Störungen dar. Entsprechend wird in der ambulanten und stationären Therapie mit Hilfe von Problemlösetrainings diese Fähigkeit mit dem Ziel trainiert, dass der Patient diese gelernten Fertigkeiten in den Alltag überträgt und dort die an ihn gestellten Anforderungen besser bewältigen kann. Er wird dadurch in die Lage versetzt auf stressauslösende und allgemein symptomauslösende Faktoren, die als Problem bezeichnet werden können, adäquat zu reagieren und diese zu lösen.

So stellt die Bewältigung problematischer Faktoren beispielsweise in der Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen in der Rückfallprophylaxe einen wichtigen Faktor dar. Auch in der Behandlung depressiver Erkrankungen wird durch die Steigerung der Problemlösefertigkeiten allgemein die Aktivität des Patienten betont und dessen Selbstwirksamkeit so gesteigert. Typische Inhalte von Problemlösetrainings sind beispielsweise Probleme am Arbeitsplatz mit Kollegen, der Bewältigung der Aufgaben oder Meinungsverschiedenheiten mit dem Partner.

Kanfer et al. (2000) unterscheidet im Rahmen der Psychotherapie allgemein drei Varianten des Problemlösens.

  1. Der gesamte therapeutische Prozess wird als Problemlöseprozess betrachtet.
  2. Als angewandte Technik des Therapeuten, die immer wenn nötig während des Therapieprozesses bei sogenannten Binnenproblemen eingesetzt wird.
  3. Problemlösen als Interventionsmethode (siehe unten)

2. Das Problemlösetraining nach D´Zurilla & Goldfried

Das Problemlösetraining geht auf D´Zurilla & Goldfried zurück die in einem Zeitschriftenartikel im Jahr 1971 den Ablauf dieses Problemlösetrainings detailliert erläuterten. Das Training wird heute in leicht gekürzter Form durchgeführt ist in seinen Prinzipien jedoch unverändert geblieben.

Der Problemlöseprozess besteht aus folgenden Stufen:

  • Allgemeine Orientierung
  • Problembeschreibung
  • Erstellen von Alternativen
  • Auswahl einer Alternative
  • Anwendung und Ergebnisüberprüfung

Wiedmann und Fischer (2006) unterscheiden den Problemlöseprozess etwas differenzierter in 8 Stufen:

  1. Orientierung und Vorbereitung
  2. Situationsanalyse und Problembeschreibung
  3. Zielanalyse
  4. Suche nach Lösungsmöglichkeiten
  5. Bewertung der einzelnen Lösungsmöglichkeiten, Entscheidung für eine Alternative
  6. Erstellung eines detaillierten Handlungsplans
  7. Ausführung
  8. Erfolgskontrolle und wenn notwendig Wiederholung einzelner Stufen.

Ein Problem stellt sich immer dann dar, wenn der der Ist-Zustand vom Soll-Zustand abweicht und dieser Zustand bei dem Patienten eine negative emotionale Reaktion (z. B. Angst, Ärger, Wut) auslöst.

Warum sich eine Situation, die allgemein als lösbar bezeichnet werden kann, bei dem Patienten sich jedoch als nichtlösbares Problem darstellt, kann auch auf Faktoren innerhalb des Patienten zurückzuführen sein

  • Der Patient weist keine genaue Vorstellung über den Zielzustand auf.
  • Der Patient kann seinen Ausgangszustand in seiner Faktenlage nicht genau genug beschreiben, sodass keine exakte Analyse stattfinden kann und die vom Patienten ausgewählten Problemlöseverhaltensweisen nicht zum Ziel führen.
  • Der Patient verfügt nur über ein sehr eingeschränktes Repertoire an Problemlöseverhaltensweisen und für seine spezifische Problemsituation nicht über das notwendige Verhaltensrepertoire.
  • Der Patient führt aufgrund von Vermeidungsverhalten nicht die notwendigen Schritte aus.

3. Die detaillierte Beschreibung der Stufen im Problemlöseprozess

Stufe 1: Die allgemeine Orientierung
Hier soll der Patient lernen Probleme als Herausforderung und nicht als Bedrohung anzusehen. Weiterhin wird dem Patienten vermittelt, dass Probleme zum täglichen Leben gehören und diese auch gelöst werden können. Ziel der Vorbereitungsphase ist es den Patienten zu motivieren aktiv an dem Problemlösetraining mitzuarbeiten.

Stufe 2: Beschreibung des Problems
Das Problem wird präzise beschrieben und in seine einzelnen Bestandteile zerlegt. Um die Situation möglichst exakt zu erfassen, kann es häufig hilfreich sein, die Beschreibung von mehreren Standpunkten aus durchzuführen.
Sehr häufig ist im Anschluss möglich, einzelne Informationen als relevanter für den Problemlöseprozess und andere als weniger relevant zu beschreiben.

Stufe 3: Suche nach Lösungsmöglichkeiten
Es werden möglichst viele Lösungsmöglichkeiten entwickelt (Brain Storming). Eine Bewertung der gefundenen Lösungswege unterbleibt auf dieser Stufe noch. Ein Ergebnis kann auch sein als eine Lösung die Kombination zweier Lösungswege heranzuziehen.

Stufe 4: Treffen einer Entscheidung
Die Lösungswege aus der Stufe 3 werden nun bezüglich ihrer kurz- und langfristigen Konsequenzen bewertet und untersucht, ob durch sie die Ziele des Patienten erreicht werden können. Weiterhin muss die Wahrscheinlichkeit des Eintretens der jeweiligen Konsequenzen abgeschätzt werden. Schließlich wählt der Patient die für ihn beste Lösung aus.

Stufe 5: Anwendung und Überprüfung
Der Patient wendet nun das Lösungsverhalten in der Praxis an. Sollte es sich herausstellen, dass sich durch die Anwendung des unter Stufe 4 ausgewählten Lösungsverhaltens, das Problem nicht in die gewünschte Richtung verändern lässt, werden je nach Notwendigkeit eine oder mehrere Stufen wiederholt.