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Neuronale
Plastizität spielt eine Rolle in der Ätiologie der Depression
Depressive Störungen sind laut
Weltgesundheitsorganisation die Hauptursache weltweit für Lebensjahre mit
erheblich eingeschränkter Lebensqualität. Trotz deutlicher Fortschritte in der
Behandlung, insbesondere durch Psycho- und Pharmakotherapie, spricht nur etwa
die Hälfte der Patientinnen und Patienten auf eine Behandlung ausreichend rasch
und gut an.
Eine neue Hypothese zur Entstehung depressiver Störungen geht davon aus, dass
eine Veränderung neuronaler Plastizität einen wichtigen Beitrag in der
Entstehung der Störung darstellt. Plastizität, also Änderung, in Verhalten,
Funktion und Struktur ist eine grundlegende Eigenschaft von lebendigen
Organismen. Entgegen älteren neurowissenschaftlichen Annahmen zeigen neuere
Arbeiten, dass Plastizität auch im erwachsenen Gehirn auf verschiedenen Ebenen
stattfindet - und das von der aktivitätsabhängigen Anpassung synaptischer
Übertragung über Neubildung von Nervenzellen im Hippocampus bis zur Anpassung
von Verhalten.
Freiburger Forscher legen nun in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins
Biological Psychiatry Daten vor, die die Neuroplastizitätshypothese der
Depression weiter stützen. Dabei nutzte die Arbeitsgruppe um Dr. Christoph Nissen
und PD Dr. Claus Normann von der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie
des Universitätsklinikums Freiburg bekannte Lernparadigmen als Modell für
synaptische Plastizität.
Die Forscher konnten zeigen, dass Patientinnen und Patienten mit Depression im
Vergleich zu gesunden Probanden eine verminderte Gedächtniskonsolidierung in
einem Hippocampus-abhängigen Lerntest aufweisen. Andererseits zeigen Menschen
mit einer Depression eine erhöhte klassische Furchtkonditionierung, einer
Amygdala-abhängigen Lernleistung. Die Amygdala ist ein Kerngebiet, das für die
Entstehung und Bewertung von Gefühlen von entscheidender Bedeutung ist.
Die unterschiedlichen Befunde einer geminderten beziehungsweise erhöhten
Lernleistung weisen auf spezifische Veränderungen der zugrunde liegenden
synaptischen Plastizität in verschiedenen neuronalen Systemen bei Menschen mit
Depression hin. Diese Plastizitätsänderungen könnten mit klinischen Symptomen
wie Merkfähigkeitsstörungen und Entscheidungsschwierigkeiten einerseits und einer
erhöhten emotionalen Anspannung andererseits in Verbindung stehen. Sollte sich
die Plastizitätshypothese depressiver Störungen weiter bestätigen, könnte dieses
Grundlagenwissen zu Plastizität genutzt werden, um neue Therapien zur Behandlung
der Depression zu entwickeln.
Quelle:
überarbeitete Pressemitteilung der Uni Freiburg
Links: http://www.biologicalpsychiatryjournal.com/article/
(08.09.2009 RM)
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