Intelligenztests bei Kindern und Jugendlichen

Um eine Aussage über die geistige Leistungsfähigkeit des Kindes treffen zu können, wird häufig ein Intelligenztest (Abkürzung: IQ-Test) durchgeführt. Es stehen verschiedene Intelligenztests zur Verfügung, wobei der HAWIK und der CFT in der alltäglichen Praxis sicherlich die größte Verbreitung aufweisen.

1. Intelligenztests für Kinder

HAWIK-III

Der Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Kinder III wird herausgegeben von Tewes, Rossmann und Schallberger und wird in der Praxis häufig nur mit HAWIK abgekürzt. Er kann bei Kindern und Jungendlichen zwischen 6 und 16,11 Jahren eingesetzt werden. Beim HAWIK handelt es sich um die deutschsprachige Version des WISC-III.

HAWIK-IV

Seit 2007 liegt der HAWIK-IV vor, der neben den bewährten Inhalten des Vorgängers auch neue Elemente integriert. Siehe auch den Text über den HAWIK-IV.

CFT 1

Der CFT-1 stellt die deutsche Anpassung des Culture Fair Intelligence Tests – Scale 1 von Cattell dar. Mithilfe der Untertests Substitutionen, Labyrinthe, Klassifikationen, Ähnlichkeiten und Matrizen soll eine Aussage über die Fähigkeit des Kindes, Regeln zu erkennen, Merkmale zu identifizieren und möglichst schnell zu verarbeiten. Es liegen Altersnormen (5,3 Jahre bis 9,5 Jahre) und Klassennormen bis zur dritten Grundschulklasse vor. Die Durchführungsdauer beträgt 30 Minuten.

CFT 20

Der CFT-20 kann für Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Alter von 8,7 Jahre bis 70 Jahre verwendet werden. Die Durchführungsdauer beträgt je nach Setting zwischen 25 und 55 Minuten. Der CFT 20 verfügt über anschauliche Testaufgaben und ist sprachfrei, sodass er auch bei Personen mit schlechten Deutschkenntnissen, Sprachproblemen und geringen Kulturtechniken angewendet werden kann.

AID 2

Der AID 2 basiert auf dem Intelligenzkonzept von David Wechsler. Insgesamt sind 11 Untertests verfügbar, die über die verbal-akustischen Fähigkeiten und die manuell-visuelle Fähigkeiten Aussagen treffen. Der Test wurde zwischen 1995 und 1997 neu normiert. Der AID 2 wird von einigen Autoren bezüglich der Diagnostik von Hochbegabung als besonders aussagekräfitig angesehen.

K-ABC

Die Kaufmann Assesment Battery for Children, kurz K-ABC misst die Intelligenz von Kindern im Alter von 2,6 bis 12,5 Jahren und ist auch das Standintelligenztest bei Kindern im Vorschulalter. Der K-ABC definiert Intelligenz als Fähigkeit Probleme durch geistiges Verarbeiten zu lösen. Von daher steht bei der Intelligenzmessung die Lösungsfindung im Vordergrund. Weiterhin wird beim K-ABC die intellektuelle Fähigkeit von den erworbenen Fähigkeiten unterschieden. Diese Teilbereiche werden im Test durch unterschiedliche Skalen erfasst.

SON-R 2 1/2-7

Der Snijders-Oomen-non-verbale Intelligenztest kurz SON-R 2 1/2-7 ist ein sogenannter sprachfreier Test, der die fluide Intelligenz bei Kindern erfasst. Normen liegen vor für Kinder zwischen 2,6 bis 7,11 Jahren. Der Test erfasst die Fähigkeit zum abstrakten und konkreten Denken, das Erkennen von Ordnungsprinzipien, das räumliche Verständnis und die visumotorischen und perzeptiven Fähigkeiten. Der SON-R 2 1/2-7 hat sich insbesondere in der Intelligenzdiagnostik bei Kindern mit Entwicklungsverzögerungen bewährt.

2. Allgemeine Hinweise zum Einsatz von Intelligenztest

Verschiedene Intelligenztests weisen Boden- und Deckeneffekte auf, das bedeutet, dass die Verfahren den oberen und unteren Leistungsbereich recht ungenau erfassen. Dies liegt unter anderem daran, dass die überwiegende Anzahl der Items für den mittleren Leistungsbereich konzipiert wurden. Bei einem Test, der einen Deckeneffekt aufweist, werden zu viele Items richtig gelöst, das heißt, der Test ist zu leicht. Sind die Testaufgaben zu schwer, werden also fast keine Aufgaben richtig gelöst kann es sein, dass der Test einen Bodeneffekt aufweist.

Weiterhin zu beachten ist, dass die Auswertungsnormen des Tests möglichst aktuell sind, da es so zu deutlichen Verfälschungen der Testergebnisse kommen kann (gemessene IQ-Werte sind zu hoch). Der sogenannte Flynn-Effekt besagt, dass sich die in Intelligenztests gemessenen IQ-Werten alle zehnung Jahre ca. um 3 bis 7 IQ-Punkte erhöhen. Die Ursachen für den Flynn-Effekt sind nicht geklärt.

3. Was ist eigentlich Intelligenz?

Binet & Simon (1905) verstanden unter Intelligenz „die Art der Bewältigung einer aktuellen Situation“. Wechsler (1964) definiert 60 Jahre später die Intelligenz als ?die zusammengesetzte und globale Fähigkeit des Individuums, zweckvoll zu handeln, vernünftig zudenken und sich mit seiner Umgebung wirkungsvoll auseinander zu setzen?. Stern definiert Intelligenz als die Fähigkeit, das Denken auf neue Forderungen einzustellen.

Eine eindeutige Definition existiert nicht. Dieselben Probanden erzielen in verschiedenen Verfahren zur Messung der Intelligenz unterschiedliche Ergebnisse, sodass man zu der unbefriedigenden, jedoch praktikablen „Definition“ gekommen ist, dass „Intelligenz das ist, was der Intelligenztest misst“. Entsprechend existieren „so viele Intelligenzen wie Verfahren zu ihrer Erfassung“ (Bartussek & Amelang, 1994).

Den verschiedenen Definitionen ist gemeinsam, dass unter Intelligenz die Fähigkeit bezeichnet wird, sich in neuen Situationen auf Grund von Einsichten zurechtzufinden und Aufgaben mit Hilfe des Denkens zu lösen, ohne dabei auf Erfahrungen zurückzugreifen.

Zwei-Faktoren-Theorie von Spearman

Nach Spearman beruht jedes Maß für Intelligenz auf zwei Faktoren, nämlich der ?general intelligence? (g) und einem Faktor, der auf den entsprechenden Test zurückzuführen ist (spezifischer Faktor = s). Spearman postuliert, dass man aus allen intellektuellen Leistungen einen „general Factor“ ableiten kann. Intellektuelle Leistungen werden primär durch diesen g-Faktor bestimmt. Zum Lösen einer Aufgabe bedarf es jedoch häufig weiterer spezifischer Fähigkeiten. Diese spezifischen Fähigkeiten nennt Spearman s-Faktor. Einige Intelligenztests sind nach dieser g-Faktorentheorie konstruiert.

Cattell: Modell der fluiden und kristallinen Intelligenz

Auch Cattell geht von einem g-Faktor aus, unterscheidet jedoch weiter zwischen einer fluiden und kristallinen Intelligenz. Unter fluider Intelligenz versteht man die Fähigkeit, sich auf neue Probleme und Situationen einzustellen. Der g-Faktor umschreibt die Fertigkeiten, die sich das Individuum durch Lernen erworben hat. Die Entwicklung des g-Faktors ist vermutlich bis zum 15. Lebensjahr abgeschlossen.

Intelligenzstrukturmodell nach Jäger

Durch eine Faktorenanalyse gelangt Jäger zu sechs Gruppen von Hauptfaktoren, nämlich „Anschauungsgebundenes Denken“, „Einfallsreichtum und Produktivität“, „Konzentrationskraft und Tempomotivation“, „zahlengebundenes Denken“, „sprachgebundenes Denken“, „Verarbeitungskapazität“ und „formallogisches Denken und Urteilsfähigkeit“.