Angst, Trennungsangst und soziale Angst bei Kindern und Jugendlichen

Klassifikation von Angstsymptomen bei Kindern und Jugendlichen

Im ICD-10 wird unterschieden zwischen
F93.1 Phobische Störung des KindesaltersF93.2 Störung mit sozialer Ängstlichkeit des KindesaltersWeiterhin werden folgende Störungen im ICD-10 klassifiziert:
F93.0 Emotionale Störung mit Trennungsangst des KindesaltersF93.3 Emotionale Störung mit GeschwisterrivalitätF93.8 Sonstige emotionale Störungen des KindesaltersWeitere Diagnosen bei Angststörungen
F 40.00 Agoraphobie ohne PanikstörungF 40.01 Agoraphobie mit PanikstörungF 40.1 Soziale PhobieF 40.2 Spezifische (isolierte) PhobienF 41.1 Generalisierte Angststörung

Soziale Phobie

Bei einer sozialen Phobie (F93.1) werden bestimmte soziale Situationen vermieden, da eine negative Bewertung durch andere Personen erwartet wird. Die Betroffenen haben die Angst, sich unangepasst zu verhalten und negativ aufzufallen. Bei den Kindern besteht die Befürchtung als dumm, schwach oder ängstlich beurteilt zu werden. Recht häufig beziehen sich die Ängste auf öffentliches Sprechen bzw. Essen. Im engsten Familienkreis (z.B. Eltern) treten die Ängste nicht auf. Zur Symptomatik gehört das Zittern der Hände, Erröten, Übelkeit und spezifische Kognitionen wie die Angst erbrechen zu müssen. Die ersten Symptome einer sozialen Phobie trifft man ab dem Jugendalter an.

Soziale Ängste

Die Störung mit sozialer Ängstlichkeit des Kindesalters (F93.2) ist durch Angstsymptome vor fremden Gleichalterigen und fremden Erwachsenen gekennzeichnet. Hier liegt der Beginn der Symptome vor dem 6. Lebensjahr. Der Kontakt zu vertrauten Personen ist jedoch gut ausgeprägt.

Agoraphobie und Panikstörung

Die Panikstörung ist durch eine plötzlich auftretende, schwere Panikattacke gekennzeichnet. Diese ist nicht auf eine spezifische Situation beschränkt. Während einer Panikattacke tritt Herzklopfen, Brustschmerzen, Erstickungsgefühl und Schwindel auf. Die Panikattacke dauert nur wenige Minuten.

Sie können beim einzelnen Patienten mehrmals täglich auftreten. Es gibt jedoch auch Verläufe, bei denen eine Panikattacke eher selten Auftritt und mehrere Wochen symptomfrei sind.

Panikattacken kommen plötzlich und sind nicht vorhersehbar. Betroffene Patienten vermeiden Situationen, in denen eine Panikattacke besonders peinlich wäre.
Bei einer Agoraphobie hat man große Angst sich auf öffentlichen Plätzen aufzuhalten, in Menschenmengen zu bewegen und sich im zu weit von zu Hause zu entfernen.

Generalisierte Angststörung

Die Generalisierte Angststörung ist durch exzessive Ängste und Sorgen gekennzeichnet, die relativ dauerhaft sind und dadurch die Grundbefindlichkeit der jeweiligen Person bestimmen. Da bei der Diagnose die Abgrenzung zu normalen Sorgen nicht immer leicht fällt, findet sich bezüglich der Diagnose nur eine eingeschränkte Zuverlässigkeit. Erschwerend hinzu, kommt bezüglich des diagnostischen Prozesses, auch die hohe Komorbidität zu anderen affektiven Störungen.

Trennungsangst

Für die Trennungsangst (F93.0) gelten folgende diagnostische Leitlinien: Unrealistische Besorgnis über ein mögliches Unheil, das den Hauptbezugspersonen (Eltern) zustoßen könnte. Unrealistische Besorgnis des Kindes, dass es durch ein Ereignis von den Eltern getrennt werden könnte. Aus Furcht vor Trennung besteht die Abneigung die, Schule zu besuchen. Unangemessene Furcht tagsüber alleine zu Hause zu bleiben. Somatische Beschwerden bei Trennung von den Hauptbezugspersonen. Angst und/oder Wutausbrüche in Erwartung einer Trennung von den Hauptbezugspersonen.

Prävalenz von Angststörungen

Verschiedene Studien zeigen, dass Angststörungen im Kindes- und Jugendalter recht häufig auftreten. Etwa 10 Prozent bis 15 Prozent der Kinder weisen während ihrer Kindheit und Jugend die Symptome einer Angststörung auf, die jedoch nur bei 3-4 Prozent zu deutlichen Funktionseinschränkungen führt. Als komorbide Störungen trifft man häufig Hyperaktivität und Depression an. Angststörungen stellen ein deutliches Risiko für weitere psychische Störungen dar (Woodward & Fergusson, 2001).
Insgesamt stellen Angststörungen die häufigsten psychischen Störungen bei Kindern und Jugendlichen dar, wobei sich bei Mädchen diese häufiger finden.